Review: Kosmos EXIT – Auch am Tablet:

Ich habe „EXIT – Der Fluch von Ophir“ und „EXIT – Die Prüfung des Greifen“ über Weihnachten auf der Zugfahrt zu meinen Eltern ausgiebig gespielt – genau diese Art von Setting, in dem man normalerweise nur „irgendwas zum Zeit totschlagen“ startet und dann plötzlich viel tiefer drin hängt als geplant.

Beide Titel sind als Solo-Abenteuer konzipiert, und das merkt man sofort: Kein Tischaufbau, kein Regelheft-Blättern, kein Sortieren von Material – du bist direkt im Spiel. Vom Grundgefühl her erinnern die Rätsel stark an klassische Point-&-Click-Adventures. Man kombiniert Hinweise, verbindet Dinge miteinander, markiert oder „wegradiert“ Elemente und arbeitet sich Schritt für Schritt durch die Aufgaben. Dabei ist es genau diese typische EXIT-Mischung aus „eigentlich ist es logisch“ und „warum sehe ich das erst jetzt?!“, die den Reiz ausmacht.

Was ich an der digitalen Umsetzung besonders mag, ist die Atmosphäre. Die Musik trägt viel zur Stimmung bei, und stellenweise wird die Geschichte sogar durch einen Erzähler unterstützt. Dadurch wirkt es weniger wie eine reine Rätsel-Sammlung und mehr wie ein kleines, interaktives Abenteuer – ideal, wenn man unterwegs ist und trotzdem richtig eintauchen will.

Wie bei den EXIT-Brettspielen gibt es auch hier ein Hilfesystem in Stufen: Wer festhängt, kann sich ein bis drei Hilfestellungen geben lassen, ohne sofort komplett gespoilert zu werden. Das ist fair gelöst, weil es den Flow rettet, aber den Aha-Moment nicht sofort zerstört.

Richtig stark fand ich zudem, wie konsequent die Spiele Tablet-Funktionen einbauen. In Rätseln greift das Spiel auf die Sensorik zurück: Du musst das Tablet drehen, damit etwas „rausfällt“, das Gerät schütteln, um einen Effekt auszulösen, oder sogar mit der Lautstärke spielen (leiser/lauter), weil das Teil der Lösung ist. Genau solche Ideen sorgen dafür, dass es sich nicht wie ein portiertes Rätselheft anfühlt, sondern wie ein Rätsel, das auf einem Tablet erst richtig Sinn ergibt.

Ein weiteres Highlight: Mindestens ein Rätsel belohnt es, wenn man zusätzlich ein weiteres Smart Device nutzt, weil man dafür eine spezielle Webseite aufrufen und dort die richtigen „Dinge“ tun muss. Das ist ein cooler Meta-Kniff und passt super zu EXIT, ist aber auch etwas, das man unterwegs kurz einplanen sollte (Internet + Zweitgerät bzw. zweites Tab helfen).

„Der Fluch von Ophir“ konnte ich erfolgreich beenden, beim „Greifen“ bin ich vermutlich im letzten Drittel. Und ja: Wie die EXIT-Brettspiele kann man auch die Android-Teile im Kern nur ein einziges Mal spielen. Wer das Prinzip kennt, weiß aber auch: Genau das gehört zur DNA der Reihe.

Preislich habe ich beide Spiele im Angebot für jeweils 1,99 € bekommen – regulär liegen sie bei 6,99 €. Für den Angebotspreis ist das ein No-Brainer: perfekte Zugfahrt-Unterhaltung mit richtig guter Atmosphäre und cleveren Einfällen. Zum regulären Preis ist es eher etwas für Liebhaber der EXIT-Serie oder für Fans von Escape-/Rätsel-Adventures, die genau wissen, was sie wollen.